Projekt: Liebesbekundung an Leipzig

Leipzig,

Ganze sechs Jahre durfte ich dich meine Heimat nennen und ich danke dir, dass du mich so gut aufgenommen hast. Ich weiß noch genau, dass ich dich überhaupt nicht mochte, als ich dich nur flüchtig kannte, doch dann führte uns das Schicksal zusammen. Ganz genau erinnere ich mich an den Tag, an dem ich den Brief bekam, dass du nun mein neuer Wohnsitz sein solltest (am Geburtstag der besten Freundin, Stunden vorher noch bangend, dass das Leben uns auseinander reißen würde!) Genau so gut kann ich mich an den Tag, die Stunden, die Minuten erinnern, die ich dich das letzte Mal sah. Als ich aus den Zug stieg und in der Westhalle diesen typischen Geruch des Subways dort wahrnahm, war es, als wäre all die Zeit ohne dich nie vergangen. Viel hat sich geändert in den zehn Monaten, aber das wohlige Gefühl von Heimat und Geborgenheit war sofort wieder da.

Lieblingsstadt, nicht nur dass ich dich mit meiner besten Freundin teilen durfte, du hast mich auch mit ein paar anderen großartigen Menschen zusammengeführt, die alle dich zufällig als Studienstadt ausgewählt haben (Dafür kann ich dir nicht genug danken!) Die gemeinsamen Sommertage in deinen Parks werden nie vergessen sein, die langen durchtanzten Nächte so nahe, dass ich meine schmerzenden Füße beinahe fühlen kann. All die Erinnerungen, wie der großartige Blick auf das Völkerschlachtdenkmal direkt aus dem Fenster meines WG-Zimmers oder das eine Mal, als ich tatsächlich dort hinauf ging und fast um kam vor Erschöpfung. Viele Dinge gibt es, die man an dir erst (recht) zu schätzen weiß, wenn man nicht mehr bei dir ist: die günstigen Mieten, die kurzen Wege, die tolle Architektur – in dich muss man einfach verliebt sein!

Goethe nannte dich wegen deiner Schönheit Klein Paris, heute sagt man über dich oft „Wie Berlin, bloß in kleiner!“, aber mal Hand auf’s Herz, du bist und bleibst einzigartig. Die letzten Minuten mit dir waren furchtbar schmerzlich und ich rang mit meiner Fassung, aber auch du schienst nicht allzu fröhlich über meine Abreise zu sein – so neblig und grau du an diesem Morgen vor mir lagst. Sei dir gewiss, wenn mich jemand fragt, wo ich herkomme, werde ich immer mit „Leipzig“ antworten . Lebewohl, bis in ein paar Jahren!

Bis dahin werde ich in Beijing leben, einer Stadt, in die auch Thomas gerne mal reist. Diese Megastadt ist unter den Top 5 seiner Lieblingsstädte, aber ob sie es auch auf den ersten Platz geschafft hat, das erfahrt ihr morgen auf seinem Blog!

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14 Kommentare

  1. InPerpetuum sagt:

    Hmm jetzt hab‘ ich Lust auch mal nach Leipzig zu fahren. Ich war noch nie da, aber das krieg‘ ich noch hin :)
    Schön, wenn man so positive Erinnerungen an eine Stadt hat :)
    Hast du vorher schon woanders „alleine“ gewohnt oder bist du nach Leipzig gezogen und hast dein Elternhaus verlassen? Würd‘ mich mal interessieren, ich frag‘ mich nämlich in letzter Zeit öfter, ob man nicht irgendwie immer eine besondere Beziehung zu der Stadt hat / haben wird in der man das erste mal „auf eigenen Füßen“ gestanden hat.

  2. Sarah sagt:

    Ich war noch nie in Leipzig.
    Jetzt muss ich erstmal nachlesen was du in Beijing machst, auswandern? Und dein Freund kommt mit?

    LG

    • Sarah sagt:

      So nachgelesen. Mensch da bin ich ja gespannt auf Fotos von dort. Das mit dem Diplomatenausweis hatte ich glaub ich bei Instagram gesehen, da hatte ich mich schon gewundert.
      Und was macht ihr mit euren ganzen Möbeln, mitnehmen, einlagern? Ist bestimmt heftig das alles zu organisieren.

      LG

  3. So ein schöner Text, der fast die Tränen laufen ließ. Ich kann mich so sehr hinein versetzen, musste ich mich doch auch schon (viel zu oft) von Herzstädten verabschieden.

  4. Ich habe noch nie einen so bewegenden Text über eine Stadt gelesen, man spürt das Herzblut förmlich…was mich jetzt umso mehr freut, da ich nächste Woche zum ersten Mal nach Leipzig fahre, um dort an einem Seminar über die Revolution ’89 teilzunehmen. Ich bin wahnsinnig gespannt und freue mich so :)

  5. T. sagt:

    Ich liebe Leipzig! Besser als Berlin, finde ich. Leipzig ist eine DIE Stadt für einen Bücherwurm. Die Architektur ist traumhaft und bei den Mieten will man eigentlich gar nicht woanders wohnen. Wunderschön, wunderbar. Bisher auch meine Lieblingsstadt, zumindest in Deutschland.

  6. Nastja sagt:

    Das hast du aber schön gesagt :)
    Ich muss dringend mal nach Leipzig! Steht schon auf meiner to-do-Liste.

  7. Emily sagt:

    Wunderschön geschrieben!

  8. mine sagt:

    Ach Mäusel, ich musste gerade fast weinen, als ich das las :/ Eine schöne Liebeserklärung an die schönste Stadt der Welt. Ich pendel nicht umsonst jeden Tag hunderte Kilometer. Passenderweise habe ich heute Senfsoße gemacht und an dich gedacht. Wir haben unser Senfsoßen-Projekt bei dem Sushi-Gelage während deines letzten L.E.-Aufenthalts ganz aus den Augen verloren. Somit muss ich wohl schnellstens nach Peking kommen, damit wir das nachholen können. Du fehlst mir schon jetzt…

  9. Ariane sagt:

    Was für ein wundervoller Text, so ehrlich und herzlich :) Ich hoffe, alle Beiträge der Reihe werden so gut!

  10. Steffi K. sagt:

    Ach ja Leipzig <3
    Da wollte ich auch immer hin, aber letztendlich bin ich in Dresden gelandet, was ich anfangs heimlich bereut habe… mittlerweile bin ich hier aber sehr glücklich und liebe diese schöne Stadt!

  11. VagabuntIn sagt:

    Eine wahnsinnig tolle Liebeserklärung, die ich so sofort unterschreiben würde. <3 Ich bin gespannt, was die nächsten 4 Jahre bringen werden, wie Leipzig sich in 4 Jahren entwickelt und wie es auf dich wirkt, wenn du aus Beijing wiederkommst. Wirst du eigentlich in der Zwischenzeit mal zu Besuch kommen, oder heißt es wirklich volle 4 Jahre Ausland?
    Ich drück dich

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