On the Road: Myanmar

Viele Bekannte, die Myanmar in den letzten Jahren bereisten, schwärmten von ihren Erlebnissen und so wollten wir uns selbst davon überzeugen und haben uns vor drei Wochen aufgemacht, es selbst zu erkunden.

Myanmar. Burma. Wie heißt das Land jetzt eigentlich?
Die Republik der Union Myanmar, so der amtliche Name, war ein Jahrhundert lang von den Briten besetzt und so dachte ich im Vorfeld, Burma sei die alte Bezeichnung der Kolonialherren. Ich versuchte also immer bewusst das Wort Burma zu vermeiden bis mir ein Einheimischer verriet, dass das Wort Burma im Sprachgebrauch immer noch und völlig wertefrei benutzt wird. Lässt sich auch viel einfacher verwenden. Burma, Burmesen, burmesisch. Das klappt mit Myanmar nicht so leicht.

 

Aamzing Myanmar - Sunset over Schwedagon Pagoda in Yangon

 

Ich möchte im heutigen Eintrag (noch) nicht auf die einzelnen Sehenswürdigkeiten eingehen, sondern vielmehr einen kleinen Überblick über Land und Leute geben.

Myanmar ist in den letzten Jahren immer beliebter als Reisedestination geworden, so dass es sogar als eines der Trendziele 2015 gehandelt wird. Das zeigt sich under anderem auch darin, dass wir vielen deutschen Reisegruppen begegnet sind, die im Durchschnitt erstaunlich alt waren. Erstaunlich deswegen, weil ich mir im Alter etwas bequemeres vorstellen kann, als bei 40° Celcius im Schatten irgendwelche Pagoden hoch und runter zu krabbeln.

 

Myanmar Pagoden am Inle Lake

 

Beim Stichwort Pagoden sind wir auch schon bei der Sehensürdigkeit, die einen in Myanmar überall hin verfolgt. Von der stattliche Schwedagon-Pagode in der Hauptstadt Yangon, die einem in ihrer Größe den Atem stocken lässt bis zu den über Tausend kleinen und großen Pagoden in Bagan – Pagoden säumen überall das Landschaftbild und können mitunter auch einen kleinen Pagodenkoller* erzeugen. Vor allem aber unser Guide in Bagan, wo wir an zwei Tagen rund 20 Pagoden besuchten, hatte aber so interessante Fakten zu jeder Pagode zu erzählen, dass eben doch nicht ein Ei dem anderen glich.

Interessant dabei ist auch der Kontrast zwischen den jahrhunderte alten Pagoden, die durch mehrer Erdbeben beinahe Ruinen gleichen und den wichtiger gehandelten Pagoden, die vergoldet werden und das Sonnenlicht fast blindmachend reflektieren.

Schwedagon Pagode in Yangon, Myanmar. Vergoldeter Buddha.myanmar_ruins_temple

 

Um möglichst viel von Myanmar in der knapp bemessenen Zeit zu erkunden, haben wir uns eine der zahlreichen Tourveranstalter anvertraut, die Rundreisen organisieren. Dies scheint allgemein eine sehr beliebte Variante zu sein, das Land in kompakter Form kennen zu lernen, denn man sah die gleichen Gesichter immer mal wieder an verschiedenen lokalen Flughäfen. Aber auch bei Backpackern ist Myanmar sehr beliebt, da man auch mit sehr kleinem Budget dort gut leben kann – zwei Hauptmahlzeiten und fünf Cocktails für 15€, anyone?! Aber weil ich ja mittlerweile auf einer Ü30-Party Eintritt gewährt bekäme, haben wir doch die bequemere Variante der Inlandsflüge und 4-Sterne Hotels gewählt im Gegensatz zu 12-stündigen Zugfahrten und Hostels.

Das Tourprogramm an sich war super, aber die interessantesten Erfahrungen haben wir doch außerhalb des gewöhnlichen Ablaufes gemacht. So nahm unsere Reisebegleiterin in Mandalay uns zu zwei Hochzeitsempfängen mit, bei denen sie eingeladen war und wir wurden unglaublich herzlich begrüßt, weil Ausländer auf solchen Empfängen als Glücksbringer gelten und am Inle Lake fragte unser Tourguide kurzerhand, ob der Gatte nicht einmal die dort typische Technik der Fischer mit einem Bein zu Paddeln, ausprobieren wollte – inklusive einer Runde Tee in einer kleinen Hütte einer myanmarischen Familie, ganz weit ab von jeglichen anderen Touristen.

 

Boote und Stelzenhäuser am Inle Lake, Myanmar.

 

Unsere Rundreise umfasste einen kurzen Stop in der ehemaligen Hauptstadt Yangon, zwei Nächte in der bereits erwähnten Stadt der tausend Pagoden Bagan, zwei Nächte im sagenumwobenen Mandalay, zwei weitere Nächte am beeindruckenden Inle Lake und danach, und das war bitter nötig, zwei Tage und Nächte vollem süßem Nichtstun am Ngapali Beach.

Obwohl wirklich jeder Ort in seiner eigenen Art sehr faszinierend war, haben mir die Tage am Inle Lake am allerbesten gefallen. Es gab nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten zu sehen, man halt viel mehr Einblick gewährt bekommen vom alltäglichen Leben der Menschen dort.

Die warmen Temperaturen, die ganze Fliegerei in so kurzer Zeit und das geballte Sightseeing gehen nämlich ganz schön an die Substanz und so gab es Abende, an denen wir um 19 Uhr schon so platt waren, dass wir uns mit Mühe wach hielten bis zu einer für Erwachsenen gesellschaftlich akzeptierten Zeit – sonst wären alle 4-jährigen nach dem Sandmann nach uns ins Bett gegangen!

 

Buddhist mit Smartphone & Weberein mit Thanaka in Myanmar.

 

Zu den Myanmaren an sich sei gesagt, dass man auch von allen Dorthingereisten das gleiche hört: „SO FREUNDLICH!“ Auch wenn viele von ihnen die meiste Zeit nicht mit einem breiten Grinsen herum laufen: ein kleines Experiment hat gezeigt, dass sobald man sie anlächelt, man zu 100% ein Entgegenlächeln geschenkt bekommt. In Deutschland kann man das bei so vielen Miesepetern leider nicht erwarten. Auch im Vergleich zu China sind mir die Einheimischen sehr positiv aufgefallen im Zusammenhang mit Exotik. So exotisch das Land und die Erfahrungen für uns sind, so ungewöhnlich ist man dort als Westler. Aber wo in China die wenigsten vom Land gereisten nach einem Foto fragen, sondern einfach heimlich die Handykamera auf dich halten, so dass man sich wie ein Affe im Zoo fühlt, so hat wirklich jeder in Myanmar, der zum ersten Mal uns als Ausländer getroffen hat, höflich nach einem Foto gefragt. Da klebt man doch gerne als Attraktion im Fotoalbum irgendeines Myanmaren!

 

Balloons over Bagan zum Sonnenaufgang. Sonnenuntergang am Ngapali Beach, Myanmar.

 

Myanmar hat uns eigentlich schon am ersten Tag in seinen Bann gerissen, als wir staunend vor der riesigen Schwedagon-Pagode in Yangon Standen. Ein Besuch in einer anderen Pagode, in der arme Myanmaren wie besessen eine Buddha-Statue mit Goldblättchen beklebten war wohl eines meiner surrealsten Erlebnisse dort und spiegeln das Land ganz gut wieder: so viel Gold neben so viel Armut.

Ich hoffe, dass wir eines Tages noch einmal zurück kehren können, um noch mehr von den Kulturen und Orten kennen zu lernen, die alle so verschieden sind. Idealerweise dann auch noch zu einer Zeit, in der Myanmar noch etwas von seinem abenteuerlichenCharme hat und nicht von Touristen überrant ist wie der Nachbar Thailand.

 

Strandurlaub am Ngapali Beach, Myanmar.

 

* In China gibt es übrigens den Tempelkoller, weil wirklich jeder Tempel und jeder Palast identisch aussieht von der Architektur – Hast du einen gesehen, hast du alle gesehen!

Image Map Posted in Myanmar, On The Road

19 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Hallo Steff,
    sehr schöner Bericht über ein Land das ich unbedingt auch noch bereisen möchte. Jetzt habe ich die ersten Eindrücke von dir erhalten. Wunderschön.
    Habt ihr die Rundreise vor Ort gebucht oder vor der Reise?
    Lg Thomas

  2. Aileen sagt:

    Was für ein toller Beitrag ! Ich habe mich kurz gefühlt, als wäre ich mit dir dort gewesen *_* Das hört sich alles wahnsinnig interessant an. Ich finde es auch immer wieder schön, wenn man außerhalb der üblichen Touristen die Einheimischen, die Kultur und deren Lebensweise kennen lernen darf. Ich persönlich habe auch oft schon mitbekommen, dass gerade in ärmeren Regionen der Welt die Menschen viele viel freundlicher sind, nicht nur Fremden gegenüber sondern allgemein und es ist wirklich oft, dass die Ärmsten einem von ihren Speisen abgeben und die Gastfreundlichsten sind – verkehrte Welt sag ich da nur :)

    Liebst,
    Aileen <3

  3. Thomas sagt:

    Tolle Eindrücke aus einem offensichtlich wunderbarem Land. Wir haben noch gar keine Asien-Erfahrung, das soll sich aber dieses Jahr noch ändern. Berichte wie dieser hier bestärken uns auch noch in der Entscheidung.

    LG Thomas

  4. Petra sagt:

    Oh wie cool! :) Nach Myanmar wollte ich auch schon ewig mal. Dein Post ist auf jeden Fall sehr inspiriend! Hast du dennoch ein paar Tipps, was Unterkunft usw angeht? Liebe Grüße
    Petra

  5. Simone sagt:

    Hallo Steff,
    ein schöner Teaser, den mich schon ganz gespannt auf nachfolgende Beiträge warten lässt…
    Ein absolutes Traumziel das ganz oben steht auf der Reise-Wunschliste.
    Liebste Grüße
    Simone

  6. Caro sagt:

    Ein toller Beitrag mit wunderschönen Bildern. Klingt nach einem superinteressanten Land.
    Schön wieder etwas von dir zu lesen :)
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntagabend!

  7. Jasmin sagt:

    Wow richtig schöne Eindrücke! Ich liebe es abseits der Touriwege Einheimische kennenzulernen und die Gegend zu erkunden und freu mich wenn das andere auch immer machen und dabei gute Erfahrungen sammeln! Das macht so ne Reise nochmal viel interessanter und besonders :)
    Das Bild mit dem Mönch und dem Smartphone find ich übrigends richtig cool und lusitg aber irgendwie auch komisch. Dachte Mönche verzichten auf alles materielle?! Oder verwechsel ich den guten Mann da? :D

    Liebe Grüße und freue mich schon auf die folgenden Beiträge! :)
    Jasmin von http://www.nimsajx.blogspot.de

  8. Elsa sagt:

    Oh man, ich glaube ihr zwei beide führt ein traumhaftes Leben! (y)

    Mein Blog ist noch ganz frisch, hoffe trotzdem Du kommst mal bei mir vorbei…

    Herzliche Grüße,

    Elsa
    http://problemkreis.blogspot.de

  9. Toller Beitrag! Nach Myanmar würde ich auch gerne mal. – So eine organisierte Rundreise würde ich dann aber wahrscheinlich auch eher machen. Tolle Fotos und toller Beitrag, dabei bekommt man aufjedenfall Fernweh!

    Beste Grüße
    Nicole von http://www.bluetenschimmern.com

  10. Cyra sagt:

    Echt tolle Bilder !

    Liebste Grüße:)
    Cyra von:
    http://bedeutungsvolle-momente.blogspot.de/

  11. Super Beitrag. Ich finde du hast das Land toll vermittelt sowohl im Text als auch mit den Bildern. Ich finde diese Pagoden ja total interessant, muss ich mich mal näher drüber informieren. Ich gestehe ich wusste vor diesem Blogeintrag nicht mal was eine Pagode ist…
    Liebe Grüße!

  12. Danke für diesen tollen Reisebericht!
    Ich muss ehrlich sagen, jetzt hätte ich beinahe Lust, deine Reise nachzuvollziehen… Das Land wirkt unfassbar schön und ich bin mir sicher, man kann dort auch mit wenig Geld viel erleben (wobei dann die Anreise wohl auf den Beutel schlägt, fürchte ich).
    Persönlich mag ich ja alte Gebäude – egal ob als Ruine oder noch gut in Schuss – und habe mir die Augen bei den Pagodenbildern darum fast aus den Köpfen geschaut…
    Das mit der Armut und dem Gold… Ich glaube, das ist normal. Je ärmer die Menschen, desto mehr versuchen sie, trotzdem alles bunt, goldenglitzernd und beeindruckend zu gestalten. Keine Ahnung, wieso. Während wohlhabende Leute eher schlicht aussehen.

  13. Alice sagt:

    Hallo liebe Stefanie :-) Ich freue mich riesig über dein nettes Kommentar und auch darüber, dass du über meinen Blog gestolpert bist :-)!

    Ich finde deinen Blog ja auch so wahnsinnig interessant, die ganzen Eindrücke und Fotos… hach, da werde ich auch ganz sehnsüchtig nach Vietnam! Ein Follow hinterlasse ich dir demnach auch sehr gerne :-)

    Liebste Grüße, Alice
    call me cozy

  14. Whoa was für atemberaubend schöne Bilder und so ein wahnsinnig toller Post dazu! Allein das erste Bild, mit den Silhouetten hat mich schon umgehauen. Ein wirklich toller Bericht! Ich schaue gerne wieder vorbei!! <3

    Ahoi xo

  15. MuhKuhAddict sagt:

    Wunderschöner Bericht und ganz tolle Bilder.

    Das Ausländer dort Glück bringen empfinde ich persönlich als sehr schönen Brauch, auch von der freundlichen Art und Weise der Menschen hört man ja immer wieder. ;-)
    Übrigens zum Thema Preise: Mit 15 € kommt man in der Nähe von Frankfurt, wo ich derzeit noch lebe, nicht weit. Da bekommst, wenns gut läuft EINEN Cocktail. Der Hammer. :-P

  16. marc sagt:

    Rundreisen sind echt immer sau anstrengend. Ich bin mir nie so ganz sicher, ob das überhaupt der richtige Weg ist, aber anders sieht man einfach zu wenig und hat ständig das Gefühl irgendwas verpasst zu haben. Naja, das Gefühl habe ich eh immer.
    Toller Bericht auf jeden Fall!

    Schöne Grüße,
    Marc

  17. Ein sehr schöner Bericht – die halb/halb Bilder gefallen mir besonders gut.

    Wir waren auch Anfang 2015 in Myanmar und sind einmal durch das Land gereist. Unsere Reiseberichte kannst du gerne unter http://www.travelcats.de/kat/asien/myanmar/ anschauen :)

    Liebe Grüße

    Kathleen

  18. Ein sehr schöner Bericht mit wunderbaren Bildern ;) – gefällt mir sehr gut, denn da bekommt man Lust auf Reisen ! VG Katrin

  19. Hallo ;)

    Dein Bericht ist sehr schön, auch die Bilder finde ich klasse und man bekommt Lust auf Reisen !

    LG Katrin

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