Chinesisches Neujahr in Beijing

Wenn man nach Beijing zieht, dann gehen einen die Millionen von Menschen manchmal ganz schön auf die Nerven. Aber es gibt eine Zeit im Jahr, da erinnert einen die Stadt eher an einen postapokalyptischen Endzeitfilm: ohne zu Schauen über die menschenleeren Straßen laufen, alle Läden haben zu, überall Schutt und Rauch.

Eine Zeit, die Fluch und Segen gleichermaßen ist: Das Frühlingsfest, welches mit dem Chinesischen Neujahr beginnt.

chinesenewyearfireworks1In China, sowie in vielen anderen asiatischen Ländern, ticken die Uhren heutzutage zwar nach unserem gregorianischen Kalender, aber insbesondere die Feiertage orientieren sich nach wie vor nach dem Mondkalender, der - wer hätte es gedacht - sich nach dem Mondverlauf richtet. Dieses Jahr fiel das ‘Chinesische Silvester’ damit auf den 18. Februar.

Die Bedeutung vom Jahreswechsel ist hier aber ein absolut anderer. Das Frühlingsfest, bei dem von Frühling leider immer noch keine Spur zu erahnen ist, ist aber viel bedeutender als das westliche Silvester. Vielmehr hat es die Wichtigkeit von Weihnachten und Silvester zusammen, denn für viele Familien ist es die einzige Zeit im Jahr, die sie miteinander verbringen. Besonders traurig ist das bei den vielen Wanderarbeitern, die in die großen Städte kommen, um bessere Verdienstmöglichkeiten zu haben. Viele von ihnen lassen ihre Kinder bei den Großeltern in entfernten Provinzen zurück und einmal im Jahr, für zwei Wochen über das Frühlingsfest, fahren sie nach Hause.

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Es is gerade zu erstaunlich, wenn man zum ersten Mal sieht, wie wenig eingesessene Beijinger es tatsächlich gibt, denn nachdem alle Zugezogenen zurück in ihre Heimat gefahren sind, ist die ganze Stadt wie ausgestorben. Hinzu kommt noch, dass die meisten Ausländer den kriegsähnlichen Zuständen zum Chinesisch Neujahr entkommen wollen und die verordneten Zwangsurlaubstage lieber zum Reisen nutzen.

 

So kam es, dass wir den gestrigen Abend ganz gemütlich angingen im Kreise einiger auserlesener Freunde, die weder Familie noch Reisepläne hatten. Nach einem ausgiebigen Essengelage und netten Gesprächen sind wir dann kurz vor Mitternacht auf unser Dach gegangen, um den 360° Panoramablick über ganz Beijing zu genießen. Feuerwerk wurde schließlich nicht umsonst vor langer, langer Zeit in China erfunden. chinesenewyearfireworks2Denn die Chinesen lieben Feuerwerk und Böllerei – laut, viel, zwei Wochen lang. Richtig. Zwei. Wochen. Zwar gibt es (wie zum Beispiel am Silvesterabend an sich) immer mal wieder Hochzeiten der Knallerei, aber offiziell darf die gesamten zwei Wochen während des Frühlingsfestes, geschossen werden, was das Zeug hält.

Als wir nach China gekommen sind, wurde uns ständig davon berichtet, dass Chinese New Year das absolute Grauen sein soll und man am Liebsten irgendwo hin flüchten soll: Kontinuierlicher Krach, Smogwerte jenseits von Gut und Böse und man käme die ganzen zwei Wochen nicht zur Ruhe. Als wir letztes Jahr dann unser erstes Fest erlebten, war ich nahezu enttäuscht, denn von Krieg war weit und breit keine Spur – so Dauerfeuerwerk hat ja schließlich auch was Schönes. Wie alles im Leben ist es halb so schlimm und wir genießen die ruhige Zeit, um Kraft zu tanken für den Moment, wenn die Stadt wieder voller Millionen von Menschen ist.

Ich wünsche allen ein tolles 羊-Jahr!
羊 kann sowohl Ziege, als auch Widder oder Schaf bedeuten. So ganz sind sich die Chinesen auch nicht einig, welches Tier nun mit dem Tierkreiszeichen gemeint ist. Ich persönlich bin für Schaf, weil die so schön kuschlig sind!

4 Kommentare • Kategorie: Beijing, Leben in China • 00:07 Uhr

Roaring Twenties Party Gastby-Style!

Eigentlich heißt es ja, man soll die Feste so feiern, wie sie kommen.
Wenn man aber in Peking wohnt und kurz vor Weihnachten Geburtstag hat, dann kommt es leider vor, dass zum tatsächlichen Geburtstag viele der Freunde bereits irgendwo in der Welt verstreut wieder in ihren Heimatländern sind, um Weihnachten mit ihren Familien zu verbringen

roaring20sparty_2roaring20sparty_8Es blieb uns also nichts anderes übrig, als die Festivitäten zu meinem Geburtstag in den Januar zu legen und weil wir hier in China sind und Taobao-sei-Dank Verkleidungen aller Art recht erschwinglich sind, haben wir uns wieder einmal für eine Mottoparty entschieden.

Ich war schon immer ein begeisterter Anhänger der “Roaring Twenties” mit all seinem Glitzer und Glamour. Der Große Gatsby war als Buch immer schon einer meiner Favoriten, was liegt da also näher als mal endlich eine wilde 20er Jahre-Party zu schmeißen?!

roaring20sparty_3roaring20sparty_1In Beijing gibt es übrigens auch eine Burlesque-Truppe, aber trotzt ständiger Auftritte, haben wir es nie geschafft, zu einer ihrer Shows zu gehen (Termine…Termine!). Wir haben uns die Feier also auch zum Anlass genommen, zwei der Damen für ein paar Auftritte zu buchen und ich muss sagen: Das hat dem ganzen Abend noch den absolut richtigen Schliff gegeben!

Es wurde somit also nicht nur Charlston getanzt, einem der typischsten Tänze der 1920er, sondern als Highlight gab es zum Schluss noch einen sogenannten Balloon-Popping-Act – was sich da wohl unter den Ballons so befindet?!

roaring20sparty_5roaring20sparty_6Von der Deko kann man leider auf den Fotos nicht allzu viel sehen, aber wer wissen mag, wo ich mir meine Inspiration für den Abend geholt habe, der kann gerne mal bei meinem Pinterest-Board zur Party vorbei schauen. Was als allererstes fest stand, was auf keinem Fall fehlen darf: eine Champagner-Pyramide! Aus der Pyramide wurde dann sehr schnell ein Pyramidchen und die Stimmung immer besser.

Auch wir als Gastgeber hatten eine tolle Nacht und waren begeistert, dass sich wirklich jeder unserer Gäste die Mühe gemacht hat, sich in Schale zu werfen, um dem Thema angemessen mit uns zu zelebrieren.

roaring20sparty_7roaring20sparty_4Auf dem letzten Foto übrigens zu sehen: meine unbändige Freude darüber, auch einen Ballon platzen lassen zu dürfen.

Die Fotos wurden alle von unserem guten Freund Laurent Hou aufgenommen, der auch bei Flickr zu finden ist! Merci beaucoup, Laurent!

Noch mehr Fotos zur Party gibt es übrigens auf Michaelas Blog zu sehen – sogar in Farbe!

4 Kommentare • Kategorie: Beijing • 17:21 Uhr

Rezept: Gluehweingelee

Anlässlich der Weihnachtsschmiede, bei der sich 24 Blogger zusammengetan haben, um euch jeden Tag im Advent etwas tolles bieten zu können, komme ich nun nach ganzen sechs Monaten auch mal wieder aus meinem Loch gekrochen. Im gestrigen Beitrag konntet ihr bei Maria ihre weihnachtlichen Nägel bewundern. Was es morgen bei Anni geben wird ist noch ein Geheimnis – also lasst euch überraschen!

Eigentlich wollte ich ja ein ganz anderes DIY machen, aber nach einem Blick im Kühlschrank, der auf eine angefangene Flasche Glühwein traf stand fest: Der muss weg – und zwar am Liebsten auf einem Brötchen!

Zutaten für Glühweingelee: Zucker, Gelierzucker, Glühwein, Mandarinen, Mandarinensaft

Ich bin ein Freund der Restverwertung, also sind die Angaben relativ frei. Am Besten ist es, ihr schaut einfach auf die Packungshinweise eures Gelierzuckers, wieviel Flüssigkeit ihr mit wieviel Zucker mischen müsst. Bisschen Mathe muss sein.

Zutaten:

500ml Glühwein
400g Gelierzucker (2:1 oder 3:1, abhängig wie fest ihr euer Gelee mögt)
200ml Mandarinensaft*

* Böse Zungen behaupten, dass in klassischen Glühweingeleerezepten Orangensaft verwendet wird, aber habt ihr in der Weihnachtszeit schon mal so viele Mandarinen rumliegen haben, dass diese irgendwann viel zu weich sind? Ich sage: Verwerten! Es waren bei mir gut 7 Mandarinen verschiedener Größe, die ausgepresst 200ml Saft ergaben und nebenher auch noch ordentlich Fruchtfleisch von sich gaben. (An dieser Stelle sollte irgend ein Vegetarierwitz mit Fruchtfleisch hin, aber ich bin heute so unkreativ!)

Vorbereitung:

Bevor ihr mit dem Kochen beginnt, solltet ihr vorher schon einmal eure Marmeladengläser in einem Topf voll heißem Wasser gründlich auskochen und anschließend kopfüber in Ruhe abtropfen lassen. Das ist wichtig, da die Gläser dadurch keimfrei gemacht werden, was die Haltbarkeit des Gelee erhöht.

Glühweingelee blubbert kocht

Zubereitung:

Leute, ich sag’s euch: Glühweingelee ist schneller gemacht als ich gebraucht habe um Glühweingeleerezept zu schreiben.
Rotwein, Gelierzucker und Mandarinensaft in einen Topf geben, auf den Herd bei mittlerer Hitze stellen und warten, dass es anfängt zu köcheln.
Gute fünf Minuten vor sich hin blubbern lassen und danach mal die Gelierprobe machen. Dazu ein paar Tropfen von eurer Mixtur mit einem Löffel auf einen Teller geben und schräg halten, um zu gucken ob das Gelee fest wird. Tut es das, könnt ihr die Flüssigkeit in eure Gläser umfüllen. Falls nicht, einfach noch etwas weiter vor sich hinkochen lassen bis die Gelierprobe erfolgreich ist.

Ich gebe es zu, ich bin absolut kein Glühweinfan. Man könnte sogar meine, ich mag Glühwein überhaupt nicht, was wohl hauptsächlich daran liegt, dass ich auch Rotwein nicht mag. Aber als bei der Gelierprobe mein Pröbchen so vor sich hin gelierte, da habe ich es einfach in den Mund genommen und mhhhhhh… sogar mich hat der Geschmack überzeugt.

Glühweingelee nett verpackt als Geschenk.

Vielleicht werde ich das Gelee also einfach selber zum Frühstück essen. Denn eigentlich hatte ich es vor, ein bisschen schön dekoriert und hergemacht zu verschenken. Und damit meine ich: Pssssst, Last-Minute-Weihnachtsgeschenk!

4 Kommentare • Kategorie: DIY, Food & Recipes • 17:22 Uhr

On The Road: Seattle | Roadtrip USA West Coast

Wenn ihr, als meine aufmerksamen Leser, eines bemerkt haben solltet auf meinem Blog, dann ist es, dass wir das Reisen in andere Länder ziemlich dufte finden. Seit meinem letzten Eintrag aus Südkorea waren wir zwar auch in China auf Tour, aber vom Pandakuscheln erzähle ich euch dann ein anderes Mal. Mittlerweile haben wir nämlich Juni und für den hatten wir schon seit geraumer Zeit geplant, mal die Westküste der USA unsicher zu machen. Wir waren beide bisher nur an der Ostküste unterwegs und was bietet sich besser an, als möglichst viele Orte in realtiv kurzer Zeit zu erkunden als durch einen Roadtrip?!

Roadtrip USA Westküste Seattle Space Needle Foto Souvenir

Sonst sehr teuer, gibt es ein kitschiges Besucherfoto auf der Space Needle umsonst.

Seattle Washington USA Roadtrip Westküste Starbucks Olympic Sculpture Park Space Needle

Der weltweit erste Starbucks | Olympic Sculpture Park

Der erste Halt war Seattle, weil wir uns erstens für die große Tour entschieden hatten und zweitens es ganz praktischerweise Direktflüge von Beijing aus gab – das besondere dabei ist, dass man dabei über die Datumsgrenze fliegt. Das sah dann so aus, dass wir am Samstag 9 Uhr losgeflogen sind und am Samstag 6 Uhr gelandet sind. Davon mal abgesehen, dass mich das total verwirrt hat, dass Zeitreisen anscheinend doch möglich sind, verpasst einen das auch noch einen schönen fiesen Jetlag des Todes.

Seattle Washington USA Westküste Roadtrip Olympic Sculpture Park

Olympic Sculpture Park

Seattle Washington USA Westküste Roadtrip Ivar's Fish Bar Seagull Seafood Crab

Bei Ivar’s Fish Bar ist Möwen füttern ausdrücklich erlaubt. | Arme, kleine Krabbe!

Um den Jetlag ein wenig entgegen zu wirken, sind wir nach Ankunft also gleich mal zum wohl bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, der Space Needle. Mehr kann man dazu eigentlich auch nicht sagen. Wir waren schon in vielen Städten in den dortigen Aussichtstürmchen - es bietet sich so von oben einfach immer am Besten die Möglichkeit, sich einen Eindruck über die Dimensionen einer Stadt zu machen. Danach erschlug uns der Jetlag-Hammer und wir entschieden uns für eine Siesta, bevor es dann zum EMP Museum ging. Hat nichts mit dem Merchandising-Shop zu tun, sondern ist ein Museum der Populärkultur. Groß-art-ig! Es gab eine Austellung über die Geschichte von Horrorfilmen, eine Ausstellung zu Musikvideos als Kunstform und eine Sci-Fi-Ausstellung. Selbst die Austellung über Nirvana (in Seattle einfach ein Muss!) war sehr interessant, obwohl ich selbst mit Grunge wenig anfangen kann. Wenn ihr in Seattle seid, unbedingt einen Besuch abstatten – das war eines meiner persönlichen Highlights!

Seattle Washington USA Westküste Roadtrip Pike Place Market Flowers | pekingenten.com

Pike Place Market

Seattle Washington USA Westküste Roadtrip Gumwall Gum Wall | pekingenten.com

The Gum Wall – ein leicht minziger Geruch liegt in der Luft.

Am Sonntag hat uns der Jetlag schon zu einer unchristlichen Zeit aus dem Bett gejagt, so dass wir nach einem wunderbaren amerikanischen Frühstück los sind, um den Olympic Sculpture Park anzuschauen. Davon abgesehen, dass es ein netter Spaziergang war, waren die Skultpuren in dem Park von jener Natur, die ich nicht verstehe. Ich mag ja Kunst, aber die meisten Exponate waren definitiv aus der Kategorie “WTF?”

Um 11 Uhr startete dann unsere Walking Tour – ja, ich liebe Walking Touren. Das hatte sich bisher schon in Prag, Budapest und Seoul bewährt, dass man prinzipiell gratis an einer geführten Tour zu Fuß teilnehmen kann und je nachdem, wie es einem gefallen hat, dem Führer ein Tringeld gibt. Nicht nur, dass der Tourguide sich so mehr ins Zeug legt, so sind auch geführte Touren für jeden Geldbeutel möglich. Wir haben uns zusammen den Pike Place Market angeschaut, sind kurz an der Gum Wall vorbei, über den Pioneer Square vorbei bis hin zur Waterfront. Dort verließen wir frühzeitig die Gruppe, weil wir uns spontan entschieden, mit dem Seattle Great Wheel eine Runde zu drehen und sind dann noch am Nachmittag auf eine Hafenrundfahrt, weil wir es uns zu einer kleinen Tradition gemacht haben, unsere Urlaubsziele auch vom Wasser aus anzuschauen.

Seattle Washington USA Westküste Roadtrip Great Wheel

Aussicht aus dem Seattle Great Wheel.

Seattle Washington USA Westküste Roadtrip Great Wheel | pekingenten.com

Seattle Great Wheel.

Aber mal vom ganzen Tourikram abgesehen hat uns Seattle unheimlich gut gefallen. Die Stadt uns ihre Einwohner strahlen eine ganz entspannte Atmosphäre aus und nicht zu letzt, der anscheinend sonst rare Sonnenschein hat sein Übriges dazu getan, dass wir uns schon darauf freuen, am Ende des Monats noch einmal kurz vor unserem Heimflug vorbei zu schauen!

6 Kommentare • Kategorie: Allgemein, On The Road, Road Trip • 14:23 Uhr

Picture My Day- Day #15: Sightseeing in Seoul

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Schon seit geraumer Zeit wollte ich mal beim PmdD mitmachen, hatte aber entweder nichts spannendes zu tun, meine Kamera vergessen oder schlichtweg nicht daran gedacht. Am letzten Samstag, dem 19.04. fand nun aber der mittlerweile fünfzehnte seiner Art statt und so wollte ich endlich mit von der Partie sein. Wer noch alles so Augenblicke aus seinem Leben mit euch teilt, könnt ihr auf dieser Liste nachlesen.

Weil der Post sehr stark bebildert sein wird, gibt es dieses Mal ausnahmsweise einen Jump-Break, also wenn ihr wissen wollt, was ich so in Seoul erlebt habe an jenem Tag, dann einfach weiter klicken!

Weiterlesen…

7 Kommentare • Kategorie: On The Road, Seoul • 23:16 Uhr

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